Beispiel 1

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Handlungshilfen für die Praxis >> Praxisbeispiele >> Beispiel 1

Praxisbeispiel 1

Ausweitung der Betriebszeiten

Ausgangslage

In diesem Produktionsbetrieb soll die Betriebszeit von 120 auf 144 Stunden bzw. von 15 auf 18 Schichten ausgeweitet werden. Bild 1 zeigt den bisherigen Schichtplan und den ersten Vorschlag, wie der um drei Schichten erweiterte Plan aussehen könnte.

Bild 1a

Bild 1b

Die geplante durchschnittliche Brutto-Wochenarbeitszeit steigt auf 48 Stunden, die Netto-Wochenarbeitszeit beträgt 45 Stunden bei 30 Minuten Pause pro Schicht. Ca. 60 Freischichten sind notwendig, um auf die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit zu kommen. Die Folgen sind klar:
??¢ Hohe Belastung durch Massierung der Arbeitszeit (12 Arbeitstage in Folge) und langen Nachtschichtblock
??¢ Durch Ausweitung der Betriebszeiten auf das Wochenende steigen die sozialen Beeinträchtigungen enorm, Mitarbeiter haben plötzlich kein freies Wochenende mehr!
??¢ Hohe Ø-Brutto-Wochenarbeitszeit (48 Std.), Aufwand bei der Planung der Fehlzeiten und Freischichten (ca. 60 im Jahr) ist groß
??¢ Gefahr von Überstunden ist sehr hoch, wenn kein ausreichendes Personal neu eingestellt wird und Freischichten nicht gewährt werden können!

Rahmenbedingungen

Die Mindestbesetzung in jeder Schicht ist stets gleich. In jeder Schicht werden immer 18 Mitarbeiter gebraucht. Die Maschinen laufen durch, in Pausen vertreten Springer.

Die Belegschaft in diesem Produktionsbetrieb besteht aus 73 Vollzeitmitarbeitern. Bedingt durch die Betriebszeitausweitung sollen 12 weitere Mitarbeiter eingestellt werden, so dass dann insgesamt 85 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Die Schichten sind 8,00 Stunden lang abzgl. 30 Minuten Pause ergibt sich eine Arbeitszeit von 7,50 Stunden.

Die tarifliche Wochenarbeitszeit beträgt 35,0 Stunden, 30 Tage Urlaub, 5% Krankenstand, sonstige Fehltage pro Jahr und Arbeitnehmer 4 Tage.

Unter dem alten 15-Schichten-Modell gab es bereits viele Überstunden.

Ziele

??¢ Entwicklung einer Alternative, die ebenfalls die neue Betriebszeit von 144 Stunden abdeckt
??¢ Vermeidung von Überstunden durch eine ausreichende Personaldecke
??¢ Möglichst viel nutzbare Freizeit am Wochenende behalten
??¢ Gesunder, nach ergonomischen Kriterien gestalteter Schichtplan

Handlungsschritte und Lösung

1. Schritt:

Zur Klärung der Frage, ob die Erhöhung der Belegschaft von 73 auf 85 Mitarbeitern ausreicht, wird eine Personalbedarfsrechnung mit Hilfe der Software BASS-Der Personal- und Schichtplaner durchgeführt. Die obere Tabelle aus Bild 2 zeigt die Eingangswerte der Berechnung, wobei mit einer Mindestbesetzung von 18 Mitarbeitern gerechnet wird. Das Ergebnis in der unteren Tabelle belegt, dass die Neueinstellung von 12 Mitarbeitern nicht ausreichend ist. Es werden noch weitere 7 neue Mitarbeiter gebraucht, um insgesamt dann aufgerundet 92 Mitarbeiter zu haben.

Bild 2a

Bild 2b

2. Schritt:

Entwicklung eines neuen Schichtplans mit 4 Gruppen. Die Datenbank ???Musterlösungen für Standardprobleme??? liefert Ideen und Lösungsansätze. Bild 2 zeigt einen alternativen 4-Gruppenplan mit einer durchschnittlichen Brutto-Wochenarbeitszeit von 36,00 Stunden. Die Netto-Wochenarbeitszeit beträgt 33,75 Stunden, wenn pro Schicht eine halbe Stunde Pause abgerechnet wird. Die höhere tarifliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden wird durch ca. 8 Einbringschichten im Jahr erreicht. Die Berechnung dazu ist: Bringschichten pro Jahr = ((35-33,75)*52,18) / 7,5. Da lt. Personalbedarfsrechnung insgesamt 92 Mitarbeiter gebraucht werden, besteht die Besetzungsstärke in jeder Gruppe aus 23 Mitarbeitern.

Bewertung der Lösung:

Bild 3

Negativ: Positiv:
- Massierung der Arbeitszeit durch Arbeitsblock
von 7 Tagen in Folge in der 2. Woche
+ Kurzer Vorwärtswechsel
+ Max. 3 Nachtschichten in Folge
+ 1 volles Wochenende, 2 teilweise freie Wochenenden
(Nachtschicht am Freitag endet erst Samstagmorgen

 

Fazit:

Die neue Betriebszeit von 144 Stunden kann auch durch ein 4-Gruppenmodell abgedeckt werden, das in den Punkten Gesundheit und Sozialverträglichkeit wesentlich besser abschneidet als das vorgeschlagene 3-Gruppenmodell. Grundvoraussetzung dafür ist natürlich eine ausreichende Personaldecke, denn sonst nützt auch der beste Schichtplan nichts!

(Bildquelle: Software BASS - Der Personal und Schichtplaner)

 

Downloads und Tools

Mitarbeiterfragebogen
Bewertung neuer Schichtplan [DOC] [PDF]
Auswertungstool
Bewertung neuer Schichtplan [EXCEL]
Checkliste
Schichtplan [PDF]
Checkliste
Schichtprojekt [PDF]

Frei- / Bringschichten
Rechner
[EXCEL] [ONLINE-TOOL]
Checkliste 12-Stunden-Schichten [PDF]

Kontakt

Prof. Dr. Friedhelm Nachreiner

Postanschrift
GAWO e.V.
Achterdiek 50
26131 Oldenburg
Tel: 49 (0)441 21719445
Fax: 49 (0)441 21719446