Arbeitswissenschaftliche Empfehlungen

Direktlink:
Inhalt; Accesskey: 2 | Hauptnavigation; Accesskey: 3 | Servicenavigation; Accesskey: 4
Wissenschaftlicher Stand / Empfehlungen >> Flexible Arbeitszeiten >> Empfehlungen

Empfehlungen


Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht kommt es bei der Gestaltung flexibler Arbeitszeiten darauf an, flexible Arbeitszeiten in tolerablen Grenzen zu halten. Negative Auswirkungen flexibler Arbeitszeiten auf die Gesundheit, psychosoziales Wohlbefinden oder das Privatleben müssen durch eine verantwortungsvolle Gestaltung vermieden werden.

Grundsätzliche Empfehlungen

Variabilität der Dauer und Lage

Einfluss auf Arbeitszeiten


Vorhersehbarkeit der Arbeitszeiten

Verlässlichkeit der Arbeitszeiten

Kompensation

Grundsätzliche Empfehlungen:

  • Flexible Arbeitszeiten sollten nicht mit überlangen Arbeitszeiten verknüpft werden (oder dazu führen).
  • Bei der Einführung flexibler Arbeitszeiten in Verbindung mit Schichtarbeit sollte in besonderem Maße auf Möglichkeiten zur Synchronisation mit biologischen und sozialen Rhythmen geachtet werden.
  • Bei der Gestaltung flexibler Arbeitszeiten sind auch die sonstigen ergonomischen Grundlagen zur Arbeitszeitgestaltung zu berücksichtigen, z.B. in Bezug auf die Dauer und Massierung von Arbeitszeiten sowie auf Probleme der biologischen und sozialen Desynchronisation.
  • Bei der Gestaltung flexibler Arbeitszeiten muss zwingend auch die Arbeitsbelastung resultierend aus der Arbeitsaufgabe und den Umgebungsbedingungen (z.B. Lärm, Klima) beachtet werden. Eine Mehrfachbelastung ist zu vermeiden.
  • Flexible Arbeitszeiten sollten nicht als Ersatz für mangelnde Planungskompetenz und/oder - bereitschaft herangezogen werden. Eine nicht gleichmäßige Produkt- oder Dienstleistungsnachfrage ist nicht zwingend eine Begründung für unternehmensbestimmte flexible Arbeitszeiten – und flexible Arbeitszeiten sind nicht zwingend die beste Lösung für derartige Probleme.
  • Bei der Einführung flexibler Arbeitszeiten sind den Vorgesetzten wie den betroffenen Mitarbeitern diese Grundlagen zu vermitteln, damit diese bei der konkreten Umsetzung auch angemessen berücksichtigt werden können.
  • Flexible Arbeitszeitsysteme sollten im Rahmen der gesetzlich gebotenen Gefährdungsbeurteilung auf ihre Risiken beurteilt und ggf. korrigiert werden.

Variabilität der Dauer und Lage:

  • Flexible Arbeitszeiten sollten die Variabilität der Arbeitszeiten nach Dauer und Lage in engen Grenzen halten.



Untersuchungen (Janßen und Nachreiner, 2004) belegen, dass das Merkmal Variabilität der Dauer und Lage ein entscheidendes Kriterium für die Auswirkungen flexibler Arbeitszeiten auf die Beschäftigten ist. Um Missverständnissen vorzubeugen: mit Variabilität ist nicht der ständige Wechsel von Früh-, Spät- und Nachtschichten gemeint. Ein solch starres Schichtmodell mit einem festen Schichtrhythmus ist überhaupt nicht variabel, man kann sein Leben darauf einstellen. Werden Schichten ständig neu verplant, Anfangs- und Endzeiten von Schichten ständig verändert, so dass überhaupt keine Regelmäßigkeiten im Arbeitszeitsystem erkennbar sind, dann ist die Variabilität, so wie sie im Zusammenhang mit flexiblen Arbeitszeiten verstanden wird, hoch. Je variabler die Arbeitszeit hinsichtlich der Dauer und Lage dann ist, desto deutlicher sind die gesundheitlichen und psychosozialen Beschwerden bei den Beschäftigten. Der Arbeitende kann sich auf nichts mehr einstellen, es kommt, ähnlich wie bei der Schichtarbeit, zur biologischen und sozialen Desynchronisation, die Balance zwischen Arbeit und Leben ist gestört.

Einfluss auf Arbeitszeiten:

  • Rein unternehmensbestimmte Flexibilität, die Mitarbeiter zur (kurzfristigen) Anpassung ihrer arbeitsfreien Zeit an Anforderungen des Unternehmens zwingt, ist zu vermeiden. Flexible Arbeitszeiten sollten auch den Mitarbeitern Gestaltungsspielräume eröffnen.


Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Beeinflussbarkeit der Arbeitszeiten (Janßen und Nachreiner, 2004). In den Fällen, in denen die Beschäftigten hohe Einflussmöglichkeit auf ihre eigenen Arbeitszeiten haben, sind die sozialen Beeinträchtigungen deutlich geringer. Die Grafik zeigt es: Die meisten Probleme entstehen immer dann, wenn die Arbeitszeiten hoch variabel sind und man selbst keinen Einfluss darauf hat.

Vorhersehbarkeit der Arbeitszeiten:

  • Auch flexible Arbeitszeiten sollten soweit wie möglich vorhersehbar sein, damit die Mitarbeiter ihre nicht-arbeitsbezogenen Aktivitäten planen und ausführen können.

Verlässlichkeit der Arbeitszeiten:

  • Flexible Arbeitszeiten sollten verlässlich sein. Mitarbeiter müssen sich auf die Einhaltung der geplanten flexiblen Arbeitszeiten verlassen können, um ihre nicht-arbeitsbezogenen Aktivitäten planen und ausführen zu können.

 

Insbesondere bei von der Normalarbeitszeit abweichenden Arbeitszeitregelungen erweist sich in den letzten Jahren, insbesondere auch im Zusammenhang mit flexib­len Arbeitszeiten, die Verlässlichkeit des Arbeitszeitsystems als wichtiger Parameter zur Beurteilung des Beeinträchtigungsrisikos (Janßen & Nachreiner, 2005). Dabei sind interessanterweise auch Auswirkungen in Bezug auf körperliche Beeinträchtigungen zu beobachten, neben den theoretisch zu erwartenden Auswirkungen auf das psychosoziale Wohlbefinden.

nach oben


Kompensation:

  • Wenn flexible Arbeitszeiten gegen etablierte ergonomische Grundsätze (z.B. bezüglich Dauer, Lage und Dynamik der Arbeitszeit) verstoßen (müssen), sollte als Kompensation eine Reduktion der Arbeitszeit und damit eine Ausdehnung arbeitsfreier Zeit vorgesehen werden, um den Betroffenen Möglichkeiten der Resynchronisation zu eröffnen.
  • Bei der Kompensation - wie bei der Verrechnung über Kontensysteme - ist eine beanspruchungsbezogene Verrechnung zu beachten. Eine Verrechnung schlicht um schlicht (z.B. eine 10. Arbeitsstunde gegen eine 1. Arbeitsstunde, oder Arbeitszeit zu sozial nutzbarer Zeit gegen sozial nicht nutzbare arbeitsfreie Zeit) ist aus ergonomischer Sicht nicht angemessen.
  • Eine finanzielle Kompensation ist aus ergonomischer Sicht nicht akzeptabel.
 

Downloads und Tools

Checkliste
Schichtplan [PDF]
Online-Check Schichtarbeitende
[ONLINE-TOOL]
Checkliste 12-Stunden-Schichten
[PDF]

Kontakt

Prof. Dr. Friedhelm Nachreiner

Postanschrift
GAWO e.V.
Achterdiek 50
26131 Oldenburg
Tel: 49 (0)441 21719445
Fax: 49 (0)441 21719446