Schichtplangestaltung

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Schichtplangestaltung

Hinweis: Nicht alle Anforderungen lassen sich gleichzeitig verwirklichen. Die Interessen der Beschäftigten und des Betriebes sollten hier miteinander abgewogen werden.

ANZAHL AUFEINANDERFOLGENDER NACHTSCHICHTEN:

Die Anzahl der aufeinander folgenden Nachtschichten sollte möglichst gering sein.


Konkrete Empfehlungen:

  • max. 3 Nachtschichten hintereinander
  • keine Dauernachtschicht

 

Grundproblem der Nacht- und Schichtarbeit

Eine Vielzahl von Körperrhythmen, wie z.B. Körpertemperatur, Schlaf-/Wachrhythmus, Verdauung und körperliche Leistungsbereitschaft unterliegen einem natürlichen, tageszeitabhängigen Rhythmus. Der Mensch ist während des Tages biologisch auf Arbeit und während der Nacht auf Ruhe eingestellt. Schichtarbeiter müssen nun häufig genau entgegen diesem biologischen Rhythmus arbeiten und schlafen, man nennt das auch Desynchronisation. Dementsprechend klagen viele Schichtarbeiter, die regelmäßig auch nachts arbeiten, besonders über Schlafstörungen sowie Appetit- und Verdauungsstörungen. Nacht- und Schichtarbeit passt eben nicht zum normalen Tagesrhythmus gerade dieser biologischen Körperrhythmen. Am besten ist es also, erst gar keine Nacht- und Schichtarbeit zu machen, dann kommt es auch nicht zu Störungen der rhythmisch gesteuerten Funktionen Schlaf und Verdauung.

Gewöhnung an die Nachtarbeit?

Wenn Nachtarbeit nicht zu vermeiden ist, stellt sich die Frage, ob eine physiologische Anpassung an die Nachtarbeit gelingt. Schafft es der Körper sich so umzustellen, so dass z.B. das Maximum der physiologischen Leistungsbereitschaft nicht mehr am Morgen sondern während der Nacht liegt? Und wie schnell schafft der Körper diese Umstellung? Viele Schichtarbeiter haben subjektiv den Eindruck, dass sich ihr Körper bei mehreren hintereinander liegenden Nachtschichten an die Nachtarbeit gewöhnt. Tatsächlich findet jedoch keine echte Anpassung der Körperfunktionen an die Nachtarbeit statt, im Gegensatz zur psychischen Umstellung auf die Nachtschichtphase, die vielen Schichtarbeitenden relativ schnell gelingt. Körperlich ist höchstens eine Teilanpassung zu beobachten, eine völlige Umkehr der natürlichen biologischen Kurvenverläufe gibt es nicht. Selbst bei 21 aufeinander folgenden Nachtschichten im Rahmen eines Schichtexperiments zeigte sich nur eine mehr oder weniger gute Teilanpassung (Knauth, 1983). Nachtarbeit bleibt also immer eine Arbeit gegen den biologischen Rhythmus und wirkt sich negativ auf den menschlichen Körper aus. Wenn eine Anpassung also nicht möglich ist, kann eine „gesunde“ Strategie bei Nachtarbeit nur sein, den biologisch normalen Rhythmus der Körperfunktionen (Körpertemperatur, Schlaf, Verdauung, physiologische Leistungsbereitschaft) so wenig wie möglich zu stören. Untersuchungen (Knauth, 1983) haben gezeigt, dass durch die erste und zweite Nachtschicht noch fast keine Anpassungsvorgänge der Körperfunktionen ausgelöst werden. Fest steht, je weniger Nachtschichten hintereinander gefahren werden, umso weniger muss sich der Körper umstellen. Auch die Rückanpassung an einen normalen Tagrhythmus nach einer kurzen Nachtschichtphase ist wesentlich schneller, das körperliche Wohlbefinden stellt sich eher wieder ein. Konkret empfohlen werden daher max. 3 Nachtschichten hintereinander ( BEST-Leitlinien für Schichtarbeiter, 1991).

Schlafdefizit

Mit steigender Anzahl der Nachtschichten hintereinander erhöht sich auch das Schlafdefizit. Der Nachtschichtarbeiter muss am Tage schlafen. Schlaf am Tag hat aber nie die gleiche Dauer und Qualität wie Schlaf in der Nacht. Nicht nur die "Innere Uhr", sondern auch äußere Einflüsse, wie z.B. Lärm im Haus oder die Helligkeit des Tages, bewirken, dass der Schlaf kürzer und weniger tief ist.

Dauernachtschicht

Vor allem Beschäftigte in Dauernachtschicht meinen, dass sie sich gut an Nachtarbeit anpassen. Sicherlich kommen manche Menschen besser als andere mit Nachtarbeit zurecht. Aber diese Anpassung kann schließlich auch nur stattfinden, wenn der Einfluss des "normalen" Tagesrhythmus und des sozialen Lebens möglichst gering ist. Auch an freien Tagen müssten sich die Beschäftigten „nachtaktiv“ verhalten. Das ist aber kaum möglich, wenn die Personen im sozialen Umfeld, wie z.B. Familie und Freunde, in anderen Rhythmen leben. In der Regel verhalten sich betroffene Nachtarbeiter nach einer Nachtschichtphase ihrer sozialen Umwelt entsprechend tagorientiert. Der Organismus eines Beschäftigten in Dauernachtschicht ist also ständigen An- und Rückanpssungsvorgängen ausgesetzt. Es ist nicht verwunderlich, wenn  Untersuchungen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Mitarbeiter in Dauernachtschicht belegen ( Knauth & Hornberger, 1997, S.29 ff).

Soziale Risiken

Viele Nachtschichten hintereinander oder gar Dauernachtschicht erfordern eine hohe Anpassungsleistung der eigenen Familie und unterbinden regelmäßige soziale Kontakte. Die Entwicklung einer sozial abgegrenzten Freizeitgruppe, die sich fast nur noch aus Kollegen zusammensetzt, ist häufig zu beobachten. Das Kennenlernen neuer Menschen und die Pflege anderer Bekanntschaften sind kaum möglich.

Fehler und Unfallrisiko

Es gibt zudem Hinweise darauf, dass das Fehler- und Unfallrisiko nach 2-3 Nachtschichten hintereinander ansteigt. Neuere Studien belegen diesen Zusammenhang des Unfallrisikos in Abhängigkeit von der Anzahl aufeinander folgender Schichten und der Schichtlage (Folkard & Lombardi, 2004). Die Abbildung zeigt es deutlich: das Risiko für einen Unfall in der Nacht (rote Balken) steigt im Verlauf mehrerer Nachtschichten wesentlich stärker an.

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ARBEITSFREIE ZEIT NACH NACHTSCHICHTPHASE:

Nach einer Nachtschichtphase sollte eine möglichst lange Ruhephase (arbeitsfreie Zeit) folgen.

Konkrete Empfehlungen:

  • möglichst 2 oder mehr freie Tage nach einer Nachtschichtphase
  • Schichtfolge Nacht-frei-Früh vermeiden

 

Erholung

Arbeit in der Nacht stellt immer eine besondere körperliche Belastung dar. Um diese auszugleichen, brauchen Nachtarbeiter mehr Zeit zur Erholung als Tagarbeiter. Neben der erforderlichen Zeit für körperliche und psychische Erholung sollte in der arbeitsfreien Zeit auch noch Zeit für Familie und Freizeit bleiben. 2 oder mehr freie Tage sollten es nach einer Nachtschichtphase schon sein.

Ungünstige Schichtfolgen

Es gibt Schichtfolgen. die aus arbeitswissenschaftlicher Sicht als ungünstig einzustufen sind, wie z.B. Nacht-frei-Früh. Im Schichtplan sieht das zunächst nach einem freien Tag nach der Nachtschicht aus. Es ist aber zu bedenken, dass der Beschäftigte erst am Morgen des "freien" Tages von der Nachtschicht nach Hause kommt. Nach dem notwendigen Schlaf am Morgen bleibt somit nicht mehr viel Freizeit, zumal die Nacht vor der Frühschicht auch recht früh enden kann.

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AUFEINANDERFOLGENDE SPÄTSCHICHTEN:

Die Anzahl der aufeinander folgenden Spätschichten sollte möglichst gering sein.

Konkrete Empfehlungen:

  • max. 3 Spätschichten hintereinander
  • nicht mehr als 4 Spätschichten / Woche
  • keine Dauerspätschicht



Auch das gesellschaftliche Leben unterliegt einem einfachen Rhythmus. Die Nachmittags- und Abendstunden sowie das Wochenende haben immer noch einen besonders hohen Wert für Familienleben und Freizeitaktivitäten (Hinnenberg, 2007). Diese Zeit sollte nicht über einen längeren Zeitraum hinweg gestört werden. Insbesondere unterbinden komplette Spätschichtwochen („tote Woche“) das soziale Leben am Abend für einen längeren Zeitraum und verstärken zudem den Aufbau von Schlafdefiziten. Untersuchungen (Hedden, 1989) belegen den Vorteil, immer nur kurze Störungen des sozialen Lebens zuzulassen (max. 3 Spätschichten hintereinander), so behält der Schichtarbeiter einfacher den regelmäßigen Kontakt zu seiner sozialen Umwelt.
Kurz-vorwärts-rotierende Schichtpläne erfüllen diese Anforderung.

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MINDESTANZAHL VON ARBEITSTAGEN UND FREIEN TAGEN:

Einzelne Arbeitstage sowie einzelne freie Tage sollten vermieden werden.

Konkrete Empfehlungen:

  • Mindestanzahl zusammenhängender Arbeitstage: 2
  • Mindestanzahl zusammenhängender freier Tage: 2


In Freizeitblöcke "eingestreute" einzelne Schichten zerschlagen einen Freizeitblock und reduzieren damit die zusammenhängende Erholungs- und Freizeit. Die Erholungswirkung einzelner freier Tage zwischen mehreren Arbeitstagen ist ebenfalls gering. Insgesamt sollte darauf geachtet werden, dass weder einzeln eingestreute Arbeitstage noch einzeln eingestreute Freizeittage im Schichtplan vorkommen.

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WOCHENENDFREIZEIT:

Geblockte Freizeit am Wochenende ist besser als einzelne freie Tage am Wochenende.

Konkrete Empfehlungen:

  • min. 48 Std. im Block, dabei mindestens Samstag oder Sonntag komplett frei
  • besser noch Freitag (abends) bis Montag (morgens) (~ 60 Std.)


Unter einem "freien Wochenende" werden zwei zusammenhängende Tage am Wochenende verstanden, von denen zumindest einer ein kompletter Samstag oder ein kompletter Sonntag ist. Wir leben nun einmal in einer "Wochenendgesellschaft": Vor allem für das Familienleben, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten ist die Zeit am Samstag und Sonntag besonders "wertvoll" (Hinnenberg, 2007). Werden zu viele Wochenenden mit Arbeitszeit belegt, so führt das zu Beeinträchtigungen des Familienlebens und anderer sozialer Aktivitäten (Nachreiner, 1998).

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ROTATIONSLÄNGE UND -RICHTUNG VON SCHICHTPLÄNEN:

Konkrete Empfehlungen:

  • Lang-rotierte Arbeitszeitsysteme vermeiden
  • Schichtpläne mit Rückwärtswechsel vermeiden
  • Schichtpläne mit Vorwärtswechsel bevorzugen


Lang-rotierte Arbeitszeitsysteme vermeiden


Ein noch häufig anzutreffendes lang-rotierendes Arbeitszeitsystem besteht aus 7 Nacht-, 7 Spät- und 7 Frühschichten hintereinander. Dieses System ist wegen der daraus resultierenden langen Freizeitblöcke (80 Stunden) bei vielen Beschäftigten, vor allem bei jüngeren Mitarbeitern, recht beliebt.
Wenn viele gleiche Schichten (=lange Rotation) hintereinander gefahren werden, kommt es bei jeder Schichtart zu spezifischen Problemen. 7 Frühschichten hintereinander führen schnell zu einem größeren Schlafdefizit, da der Schlaf bei Frühschichten meist recht kurz ist, insbesondere bei langen Anfahrtzeiten. Die Empfehlung, früher ins Bett zu gehen, ist für Schichtarbeiter oft schwer umsetzbar. Das soziale Leben steht dem entgegen. Viele Spätschichten hintereinander beeinträchtigen das familiäre und soziale Leben sehr stark, Schichtarbeiter sprechen auch von der „toten Woche“. Viele Nachtschichten hintereinander haben ein Schlafdefizit und die Desynchronisation mit unserem biologischen Tage srhythmus zur Folge. Untersuchungen belegen die Vorteile schneller Wechsel gegenüber langen Wechseln. Schichtarbeitende berichteten in kurz-vorwärts-rotierenden Schichtsystemen über die geringsten Beeinträchtigungen im Familienleben (Horn, 2009). Insbesondere bei vollkontinuierlichem Betrieb sind Schichtrhythmen mit schnellem Wechsel (z.B. F F S S N N) problemlos einsetzbar und werden aus gesundheitlicher und sozialer Perspektive empfohlen.

Schichtpläne mit Rückwärtswechsel vermeiden


Arbeitszeitsysteme mit Rückwärtswechsel von Nacht auf Spät auf Früh sind ebenso zu vermeiden. Sie können zu "kurzen Wechseln" führen. Die Ruhezeiten zwischen den Schichten sind dann kürzer als 11 Stunden. Normalerweise sind Ruhezeiten unter 11 Stunden (in Ausnahmefällen 10) schon vom Gesetz her verboten. Zu bevorzugen sind jedoch immer längere Ruhezeiten, z.B. 16 und 24 Stunden, wie sie bei schnell vorwärtsrotierten Schichtsystemen die Regel sind. Beschäftigte in vorwärtsrotierten Schichtsystemen berichten insgesamt über weniger Beschwerden in den Bereichen "Schlaf' und "allgemeines Wohlbefinden" als Beschäftigte in rückwärtsrotierten Systemen ( Knauth & Hornberger, 1997, S.60). Die Vorwärtsrotation entspricht eher dem inneren biologischen Rhythmus, was sich auch an der besseren Anpassung des Körpers bei transatlantischen Flügen von Ost nach West (z.B. von Europa in die USA) nachweisen lässt. Es kommt hier zu einer Verlängerung des Tages, was im Gegensatz zur Tagesverkürzung bei West – Ost Flügen besser vertragen wird.
Auf der anderen Seite ist eine Vorwärtsrotation mit einer Verringerung der zusammenhängenden Freizeitblöcke verbunden, was solche Systeme für manche Beschäftigten weniger attraktiv macht.

Schichtpläne mit Vorwärtswechsel bevorzugen

Es ist belegt, ein kurzer Vorwärtswechsel der Schichten ist sowohl für den menschlichen Körper als auch für soziale Kontakte günstiger als der traditionelle, meist lange Rückwärtswechsel. Das belegen auch die Wünsche von Mitarbeitern, deren traditionelle, wöchentlich rotierende Schichtsysteme auf die aus arbeitswissenschaftlich günstigeren kurzen Wechsel umgestellt wurden. Knauth und Mitarbeiter (1997, S.63) konnten zeigen, dass sich in über 30 Umstellungsprojekten die Mehrheit der Mitarbeiter nach der Probephase für die Beibehaltung der neuen kurz rotierenden Schichtsysteme aussprachen.

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FRÜHSCHICHTBEGINN:

Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen.

Konkrete Empfehlungen:

  • Ein Arbeitsbeginn um 7:00 ist besser als einer um 6:00 oder noch früher


Insbesondere bei langen Wegezeiten kann die Frühschicht zur "halben Nachtschicht" werden. Die Erfahrung zeigt auch, dass Beschäftigte vor einer Frühschicht oftmals nicht früher als sonst schlafen gehen. Die Folge ist ein Schlafdefizit verbunden mit Übermüdung, was wiederum zu einem erhöhten Fehler- und Unfallrisiko auch für Wegeunfälle führen kann.

MASSIERUNG VON ARBEITSZEIT:

Die Massierung von Arbeit über größere Zeiträume, von Arbeitstagen hintereinander oder von Arbeitszeiten an einem Tag sollte begrenzt werden.

Konkrete Empfehlungen:

  • Vermeidung überlanger täglicher Arbeitszeiten
  • Vermeidung überlanger Arbeitsperioden (Arbeitstage hintereinander)
  • Massierung von Arbeitszeiten über größere Zeiträume (Monate, Jahr, Lebensarbeitszeit) vermeiden

Vermeidung überlanger täglicher Arbeitszeiten

Wenn die tägliche Arbeitszeit häufig mehr als 8 Stunden beträgt, besteht schnell die Gefahr, dass sich die Gesamtbelastung unzumutbar anhäuft. So ist von einer unkritischen Einführung langer Schichtzeiten (z.B. 12-Stunden) dringend abzuraten. Eine sorgfältige Prüfung und Abwägung der Vor- und Nachteile gerade auch im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit muss sein! Negative Folgen langer Schichtzeiten sind Ermüdung und Erschöpfung. Dadurch erhöht sich nachweislich das Fehler- und Unfallrisiko (Hänecke et al., 1998; Nachreiner, 2002).

Vermeidung überlanger Arbeitsperioden (Arbeitstage hintereinander)

Ältere Beschäftigte merken eher, dass eine solche Massierung von Arbeitszeit anstrengend ist und dass sie nach solchen Phasen mehr Erholungszeit brauchen. Von längeren Freizeitblöcken bleibt da manchmal wenig übrig. Lange Arbeitsblöcke reduzieren das Familienleben, soziale Aktivitäten und die Freizeit auf ein Minimum. Folgt auf eine längere Zeit zusammenhängender Arbeit dann ein langer Freizeitblock, so können Beschäftigte versucht sein, diese Freizeit nicht für eine ausreichende Erholung und für die Familie zu nutzen, sondern um "nebenbei" zu arbeiten. Ein Praxisbeispiel für eine alternsgerechte Schichtplangestaltung finden Sie hier.
Es sollte daher immer nach Alternativen in der Arbeitszeitgestaltung gesucht werden, durch die eine Massierung von Arbeitszeit vermieden werden kann. Eine Verlängerung der wöchentlichen oder der täglichen Arbeitszeit sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn die körperliche und psychische
Belastung der Arbeit bekannt sind und eine solche Regelung auch aus arbeitswissenschaftlicher Sicht unbedenklich ist.

Massierung von Arbeitszeiten über größere Zeiträume vermeiden

Über längerfristige Wirkungen und Bezugszeiträume, also etwa die Dauer der Lebensarbeitszeit, liegen kaum gesicherte Erkenntnisse vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass eine Massierung von Arbeitszeiten auch über größere Zeiträume zu massiven Störungen der „Work-Live-Balance“ führen können und somit nicht unkritisch zu betrachten sind.

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WOCHENARBEITSZEITEN:

Die Wochenarbeitszeiten sollten nicht zu stark voneinander abweichen.

Konkrete Empfehlungen:

  • gleichmäßige Wochenarbeitszeiten planen


Durch Ausgeglichenheit in den Wochenarbeitszeiten und damit auch den Wochenfreizeiten werden Belastungs- und Erholungszeiten gleichmäßiger verteilt. Auf der anderen Seite werden die langen Erhol- und Freizeiten, die sich bei ungleichmäßigen Wochenarbeitszeiten ergeben, von vielen, insbesondere jüngeren Mitarbeitern, geschätzt.

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ARBEITSBELASTUNG:

Die Schichtlänge sollte an die Arbeitsbelastung gekoppelt sein.

Konkrete Empfehlungen:

  • Belastungsanalysen durchführen


Schichtpläne und Schichtlängen sollten unbedingt nach der Art der Tätigkeit, der Arbeitsschwere und den Arbeitsbedingungen (z.B. Lärm) gestaltet werden. Um aussagekräftige Ergebnisse der Belastungssituation zu erzielen, dürfen dazu nicht nur subjektive Daten einer Mitarbeiterbefragung erhoben werden. Es sollten auch Daten durch objektive Belastungsanalysen (Nachreiner, 2008) erzielt werden.
Bei geringer körperlicher und psychischer Belastung sowie günstigen Arbeitsbedingungen können Arbeitsschichten auch länger sein. Bei erhöhter körperlicher Belastung sollten die Arbeitsschichten kürzer sein. Aber auch bei hoher psychischer Belastung, z.B. bei Überwachungstätigkeiten, sollte eine Arbeitsschicht nicht länger als 8 Stunden sein. Einige Untersuchungen belegen, dass das Fehler- und Unfallrisiko nach 8-9 Arbeitsstunden exponentiell ansteigt (Akerstedt, 1995; Folkard, 1996; Hänecke et al. 1998; Nachreiner, 2002).
Zudem sind die MAK-Werte auf der Basis von 8 Stunden berechnet. Da nicht eindeutig geklärt ist, ob ein Anstieg des Risikos bei einer Verlängerung der Arbeitszeit linear oder exponentiell ist, muss dieser Gesichtspunkt im Auge behalten werden. Sollte jedoch eine Arbeitsschicht auf mehr als 8 Stunden verlängert werden, so muss darauf geachtet werden, dass nicht auch noch zusätzliche Überstunden anfallen.

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VORHERSEHBARE UND ÜBERSCHAUBARE SCHICHTPLÄNE:

Schichtpläne sollten vorhersehbar und überschaubar sein.

Konkrete Empfehlungen:

  • Kurzfristige Änderungen der Schichtfolge vermeiden
  • Rechtzeitige Ankündigung bei notwendigen Änderungen im Schichtplan
  • Möglichst kurzer Schichtzyklus
  • Regelmäßigkeit der Schichtfolge
  • langfristigen Plan jedem Mitarbeiter aushändigen


Schichtpläne sollten hinsichtlich der Verteilung von Arbeit und Freizeit vorhersehbar sein. Da es für den Schichtarbeiter von vornherein schwierig ist, ein "normales" Privatleben zu führen, sollte eine Planung des Familienlebens und der Freizeitaktivitäten nicht zusätzlich erschwert werden. Wenn ein Schichtplan von betrieblicher Seite häufig und vor allem kurzfristig geändert wird, z.B. aus technischen oder arbeitsorganisatorischen Gründen, so ist das beste Schichtsystem wertlos und eine Planung der Freizeit unmöglich. Sind dennoch Änderungen im Schichtsystem unumgänglich, z.B. bei wechselnder Auftragslage, so sind diese möglichst frühzeitig einzuplanen und auch rechtzeitig bekannt zu geben.
Schichtpläne sollten zudem überschaubar sein. Läuft ein Schichtsystem über 10, 12 Wochen oder länger, d.h. wiederholt sich der Zyklus erst nach dieser Zeit, so ist ebenfalls die Planung der Familien- und Freizeit erschwert. Der Schichtzyklus sollte daher möglichst kurz sein. Auch die Schichtfolge sollte sehr regelmäßig sein, z.B. immer wiederkehrend F F S S N N.
Um eine Überschaubarkeit und Planbarkeit zu gewährleisten, sollte der Schichtplan für mehrere Monate, besser noch für ein ganzes Jahr, ausgedruckt und jedem Betroffenen ausgehändigt werden. Dabei sollte das Format so gewählt sein, dass dieser Plan von den Mitarbeitern auch bei sich getragen werden kann.

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FLEXIBILITÄT VORSEHEN

Der Schichtplan sollte bei Bedarf Flexibilität für Mitarbeiter vorsehen.

Konkrete Empfehlungen:

  • Starre Anfangszeiten vermeiden
  • Möglichkeiten zum Schichttausch bieten (Achtung: ungünstige Schichtfolge!)
  • Wahlmöglichkeiten zwischen Schichtmodellen bieten
  • Starre Besetzung in Schichten überdenken, z.B. Ausdünnung der Besetzung
    zu ungünstigen Arbeitszeitlagen (abends, nachts, Wochenende)


Die Berücksichtigung individueller Vorlieben und Wünsche kann die Vereinbarkeit von Beruf und individuellen sozialen Interessen deutlich verbessern. Es gibt vielfältige Gründe, warum ein Schichtplan bei Bedarf Flexibilität für Mitarbeiter vorsehen sollte: das Lebensarbeitszeitalter, körperliche Beeinträchtigungen, Betreuungsnotwendigkeiten von Angehörigen, Kindergartenzeiten, Arztbesuche und lange Anfahrtswege sind nur einige Gründe.

Maßnahmen zu mehr Flexibilität im Schichtplan können sein:

  • Starre Anfangszeiten der Schichtzeiten vermeiden
  • Schichtentausch und Freischichtkonten anbieten
  • Einbau von Teilzeitarbeit
  • Wahlmöglichkeiten zwischen Schichtmodellen bieten
  • Schichtsysteme mit Einsatzmöglichkeiten auch für Nachtschichtuntaugliche anbieten
  • Einbeziehung von Tagschichtphasen in den Schichtrhythmus
  • Starre Besetzung in Schichten überdenken, z.B. Ausdünnung der Besetzung zu ungünstigen Arbeitszeitlagen (abends, nachts, Wochenende)

 

 

Downloads und Tools

Checkliste
Schichtplan [PDF]
Online-Check Schichtarbeitende
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Checkliste 12-Stunden-Schichten
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Kontakt

Prof. Dr. Friedhelm Nachreiner

Postanschrift
GAWO e.V.
Achterdiek 50
26131 Oldenburg
Tel: 49 (0)441 21719445
Fax: 49 (0)441 21719446